12. Dezember 2002, Berlin
Der nächste Weltkongress der Patentanwälte wird vom 2. bis 6. Juni 2003 in Berlin stattfinden. Die deutsche Patentanwaltskammer, Mitglied des Weltverbandes FICPI, wird dieses Treffen organisieren.
Das Kongressprogramm wird die wichtigsten Entwicklungen des gewerblichen Rechtsschutzes behandeln, darunter auch die "Problematik des Patentschutzes für biotechnische Erfindungen, Computersoftware und Geschäftsmethoden", so das Einladungsschreiben.
siehe
Dreiss: Willkommen in Berlin 2003
siehe auch
Wowereit: Berlin freut sich auf seine Gäste
Wowereit pflegt hier den Mythos des Ideen-Eigentums und misst der dagegen stehenden Schaffensfreiheit Wert bei:
Ich freue mich, dass auch der Weltkongress der Patentanwälte vom 2. bis 6. Juni 2003 in Berlin stattfindet. Wirtschaftlicher Erfolg ist häufig eine Frage guter Ideen. Um so wichtiger ist es, dass Erfinder und Unternehmer die Sicherheit haben, dass ihr geistiges Eigentum auch wirksam geschützt wird. Patentanwälte tragen dafür eine hohe Verantwortung.
Richter tragen vielleicht eine "hohe Verantwortung". Anwälte sind ihrem Mandanten gegenüber verantwortlich und brauchen hierzu eigentlich keine zusätzliche Ermahnung durch einen Bürgermeister. Was meint Wowereit also?
siehe auch
Federation Internationale des Conseillers en Propriete Industrielle
Auf den Webseiten der Anhörung vom 7. Nobember findet man auch eine Stellungnahme von FICPI:
siehe
http://www.europarl.eu.int/hearings/default/
Eigentlich war FICPI nicht eingeladen und die Patentlobby war ohnehin übermäßig stark vertreten. Den
Brief von Opera Software an das Europa-Parlament veröffentlicht zu bekommen, ist uns bislang nicht gelungen.
Das FICPI-Schreiben stammt von PA Esslinger, der, ähnlich wie sein Kanzleikollege Jürgen Betten und der ins Europaparlament mit eingeladene Sprecher Robert Hart, ein Patentanwalt ganz besonderer Art ist.
siehe auch
PA Jurgen Betten und Softwarepatente und
Robert J. Hart and Software Patents
Patentanwälten, die auf naturwissenschaftlichen Gebieten arbeiten, sind mit den Aktivitäten von Hart und Esslinger nicht unbedingt einverstanden. Auf einer Diskussionsveranstaltung in Kiel unterstützten zwei Patentanwälte heftige Vorwürfe gegen die Berufsverbände der Patentanwälte. Ihnem ständigen einseitig auf mehr Patente zielenden Trommelfeuer sei es im wesentlichen zu verdanken, dass die Patentrechtsprechung auf Abwege gekommen sei.
siehe
Mediatage Kiel 2002-11-21
Ein weiterer Software-Patentanwalt, Stephan Freischem, schrieb im Namen von
AIPPI einen Bericht die Europarl-Anhörung, der seiner hohen Verantwortung als Berichterstatter nicht unbedingt gerecht wird. Ob z.B. die drei universitären Redner Vivant, Bercowitz und Bakels wirklich "mehrheitlich für den Richtlinienentwurf stimmten", möge der Leser beurteilen. Recht hat Freischem indes, wenn er die Befürchtung äußert, unsere Botschaften könnten beim Europa-Parlament auf Resonanz stoßen. Freischems Bericht und weitere Hintergründe finden sich auf unserer Dokumentation der Europarl-Anhörungen vom November:
Europarl Hearings 2002-11-07 and 26
FICPI bezeichnet sich als Interessenvertretungen der Patentanwälte, AIPPI schließt die Nutznießer des Patentwesens mit ein. Auch diese Gruppen haben einen Anspruch darauf, von ihren angeblichen Repräsentanten richtig informiert und vertreten zu werden. Es wäre zu wünschen, dass Wowereit im Juni die Patentanwälte nochmals ein wenig ernsthafter an ihre Verantwortung erinntert. Sehr "hoch" ist sie vielleicht nicht. Aber ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Kompetenz sollte man auch Patentanwälten und ihren Verbänden abverlangen dürfen.